
10 Jahre bedeuten eine lange Zeit – viele fleißige Arbeitstunden im Atelier, auf der Suche nach Motiven und der Entwicklung neuer Werkgruppen. Die Selbstbefragung des Künstlers ob die Motive und die Malerei das Halten was sie theoretisch versprechen. Wieder und wieder probieren, verwerfen und malen. Aus der Rückschau wird sichtbar wie sich der Fokus des Interesses verschiebt, was vom Rand zum Thema wird, was verschwindet nach dem es in allen Facetten ausgearbeitet wurde.
Die Werkgruppen die in den 10 Jahren zwischen 1996 und 2006 entstanden sind, haben Pedro Barrocal unterschiedlich lange beschäftigt.
Figuratives und Gegenständliches sind vorherrschend. Abstraktion und Collagetechnik finden in den Papierarbeiten Eingang, in der Malerei bleibt der Künstler der Figur, dem Stillleben und der Landschaft treu. Verfremdung ist erlaubt, aber der Realismus nie zu leugnen. Vielleicht macht das den Zauber der Arbeiten Pedro Barrocals aus. Gegenständliches hilft den Weg ins Bild, Posen und Rollen der Motive, überindividuelles wird scheinbar einfach sichtbar und lässt Kommunikation mit dem jeweiligen Werk zu.
Entwicklungslinien und Schwerpunkte in den Motiven sind sichtbar: In der Malerei ist der Mensch als Motiv führend. Diese Werkgruppen, große Streifenbilder (1990 – 1996) in kräftigen, leuchtenden Farben ausgeführt, werden abgelöst von Motiven, in den Menschen als Hintergrund für barock anmutende Ornamente dienen ( Ornamente 1996 – 1998). Neue Motive entdeckt der Künstler für sich, in denen Menschen nur noch indirekt in Beziehung stehen. (Partikuläre Räume 2000 – 2004)
Großformatige Menschenleere wird durch kleinformatiges, wieder den Menschen, diesmal hinter Draht, im Mittelpunkt stehen lassen, weiterentwickelt. (Identitäten 2004 -2005) Von diesen verfremdeten Menschenportraits jenseits des Maschendrahtes, geht der künstlerische Weg zu sprechenden Posen als Motiv. Übertrieben und nicht empfunden sondern gespielte Emotionen von Menschen sind das Thema. Der Weg führt wieder weg vom Menschen zu einer Rolle die gefüllt sein will. (Darsteller 2004). Menschenleere Strassen irgendwo, traumhaft schön, aber entrückt und so perfekt, dass es schon fast wieder beklemmend wirken kann.
Eine urbane Kulisse (Urban-Kulisse 2005 – 2006) individuell und doch austauschbar, da nicht örtlich gebunden, auch wenn die Wahlheimat des Künstlers Pate gestanden hat. Die Wahlheimat und Gegenstände, die Menschen in dieser Stadt für sich selber als wichtiges Erinnerungsstück aufgehoben haben faszinieren den Künstler in der Werkgruppe Überbleibsel. (Überbleibsel 2005-2006)
Zufällig, die Schlagschatten und Lichtkegel von Leuchten in der Nacht, die meist gerichtet aber immer nur einen Ausschnitt von Räumen, Möbeln oder Arbeitsflächen zeigen. Malerisch komplexe Themen, die die dingliche Welt wie im Halbschlaf und halbwach durch die Beleuchtung reduziert entrückt und doch vertraut wiedergeben. (Nachtbilder 2006)
Stillleben im 21. Jahrhundert. Die neusten Werkgruppe sind Landschaften und Stillleben zugleich. Sie sind menschenleer, lassen den Menschen nur als Betrachter zu. Künstler und Mensch außerhalb des Stilllebens. Die Posen und Rollen in die Menschen als Objekt der Malerei geschlüpft sind, übernehmen jetzt komponierte Landschaften.
Naturräume schroff und wild, nicht ohne ästhetischen und atmosphärischen Charme und so erhaben und „chaotisch”, das der Mensch und seine Zivilisation, die es ihm ermöglicht in der Natur zu überleben, nicht fehlt. (Refugium 2006-2007)
Wie eine Frequenzlinie bewegt sich der Künstler zwischen den äußersten Polen seiner Kunst in diesen 10 Jahren.
Die Kunstagentur Hoffmann führte breits mehrfach in das Werk des Künstlers im Rahmen von Ausstellungseröffnungen ein und hat den Katalogtext erstellt.