Mit fast 250 Gästen wurde die Ausstellung “Objekte der Begierde” mit Werken von Karl-Heinz Essig am 17. Februar 2008 feierlich eröffnet. Noch bis zum 16. März 2008 werden etwa 70 Werke des ostwestfälischen Malers im Kunstverein Gütersloh zu sehen sein. Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die Sparkasse Gütersloh. Die Kuration der Ausstellung sowie den Einführungsvortrag übernahm die Kunstagentur Hoffmann.
Karl-Heinz Essig, 1935 in Rheda-Wiedenbrück geboren, in Herford aufgewachsen, in Kiel studierend, arbeitete als Architekt in Hamburg, bis es ihn 1972 wieder zurück in die Heimat zog.
Reißerische, voyeurhafte Elemente wird man in den Arbeiten von Karl-Heinz Essig nicht finden, dafür viel doppelbödiges, humorvolles und von tiefer Selbsterkenntnis in sich selbst ruhendes Verständnis. Auch für den Blick des Betrachters hat Essig viel Symphatie, aber auch den Schalk im Nacken, des offenlegenden, spiegelnden Künstlers, dem nichts unter einer biederen oder langweiligen Maske verborgen bleib. Leidensgenosse und erkennender Mittäter, begierig auf mehr im Leben.
Seine Landschaften reichen bis weit zum Horizont und bewegen durch die stark aufgewühlten Vordergründe die dem Betrachter als Aufenthaltsort dienen. Und hinten, ganz weit am Horizont sieht man das Segel des Aufgebrochenen, der der den Mut hatte wegzusegeln, hin zu den fernen, begehrten Weiten des anderen. Und Karl-Heinz Essig denkt sich immer dort an Bord. Lebenserfahrung und Wunschtraum zu gleich.
Seine Akte und Studien zu klassischen Themen der Malerei wie Maler und Modell, Modell und Spiegel, Antike und Moderne, die Würdigung anderer Künstler durch Zitate in seinen Arbeiten zeigen ihn als profunden Kenner der Kunstgeschichte. Er ist als Künstler offen für andere grosse Leistungen der Kunst heute und gestern.
Autobiografisches, aber auch überzeitlich stimmiges finden sich in Essigs Arbeiten wieder. Vertrautheit, die Schutzlosigkeit der Aktfiguren auf der Leinwand oder die Farbigkeit, die scheinbar so gar nicht in die gelassene Stimmung eines Bildes hineinpasst. Intensives Rot bis fast Purpur verbirgt mehr als das es offenlegt. Die Farbe der Begierde in einem ruhenden Bild. Widerspruch und Notwendigkeit in einem.
Überhaupt atmen Essigs Arbeiten eine Gelassenheit und Konzentration. Nichts ist angestrengt, scheinbar mühelos und doch konzentriert auf das Wesentliche reduziert und so mit den Blicken des Betrachters spielend. Erwartungshaltungen werden gebrochen und so in ihrer unmaskierten Form an den Betrachtenden zurückgespiegelt, entweder um ein erheitertes Ertappt sein oder ein abschweifenden Blick zu ernten.
Offen sind die Arbeiten Karl-Heinz Essigs, um in Beziehung zu treten und sich selbst wieder ein Stückchen besser zu verstehen, aber auch souverän, um durch die Formensprache anzusprechen und wählen zu lassen, ob man sich hineinversenken will oder vorübergehen möchte. Die Arbeiten sind immer auch existentiell berührend und daher im besten Sinne Objekte der Begierde. Robust und kantig so wie der Mensch Karl-Heinz Essig mit der Gabe einer feinfühligen, sensiblen Verständnisebene ausgestattet, die es immer wieder schafft, schöne, berührende und immer aktuelle Kunst zu schaffen.
Fotos: Georg Matthes