Vita Brigitte Fuhrmann-Mau

” Was wir brauchen, das ist gefühlte Erfahrung – intensiv, unmittelbar, direkt, subtil, einheitlich, warm, lebhaft, rythmisch.” Robert Motherwell

Portrait Brigitte Fuhrmann-Mau

Künstlerische Biografie von Brigitte Fuhrmann-Mau

1972 – 1976

Studium Malerei und Textildesign bei Prof. Inge Dörries-Höher. Schwerpunkt: Stilllebenmalerei. Auseinandersetzung mit der Renaissance und mit Giorgio Morandis “Nature Morte”

Die Erfahrungen mit der subtilen Farbigkeit, dem strengen Bildaufbau und der formalen Askese prägen ihre malerische Handschrift.

1976 -1980

Fortführung der Stilllebenmalerei. Großformatige Bilder entstehen. Die Bildinhalte beziehen sich weiter auf Gegenstände aus dem persönlichen Alltag.

1981

Das Sujet wird auf die Auseinandersetzung mit dem Selbst erweitert. Es entstehen die ersten großen Selbstportraits und Körperbilder.

1985

Erster Aufenthalt an der Sommerakademie in Salzburg. Lehrer ist Prof. Anton Lemden, Vertreter des Phantastischen Realismus.

1986

Zweiter Aufenthalt in Salzburg. Lehrer ist Prof. Oberhuber, Begründer der „Permanenten Veränderung“. Er ist bedeutender zeitgenössischer Künstler und zugleich anerkannter Lehrer an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, Kulturpolitiker und Galerist. Er vertritt die Theorie, dass Stilbildungen in der heutigen Kunst nicht mehr möglich sind, dass vielmehr das Experiment den künstlerischen Fortgang bestimmen muss.

Oswald Oberhuben gehört zu den wichtigsten künstlerischen Begegnungen im Leben von Brigitte Fuhrmann-Mau. Die theoretischen Diskussionen mit ihm und sein praktisches Schaffen haben befreiend auf sie als Künstlerin gewirkt und ihre Arbeit entscheidende neue Impulse gegeben. Ihm verdankte sie die Arbeitsweise, die bestimmend für sie wurde: künstlerische Neugier und Mut zum immer neuen Experiment zu verbinden mit technischer Erfahrung, Kenntnis der Tradition und ästhetischer Kompetenz.

1987

Inspiriert durch Arbeiten von Emil Schumacher und Antoni Tapies entstehen erste Materialarbeiten. Sand, Gips, Schelllack, Stoff und verschiedenste Papiere halten Einzug in die Malerei. Das Gegenständliche löst sich immer weiter auf. Großformatige plastische Bilder und Objekte aus Wegwerfmaterialien werden farbig gefasst. Das malerische Element bleibt mitbestimmend. Es entstehen die ersten Arbeiten in Serie.

90er Jahre

Eine Istanbulreise wird bildprägend: Die Farben des Orients, Ornament und Kalligrafie üben eine starke Faszination aus.

Erste farbige Holzplastiken sind inspiriert durch die Grabstätten auf islamischen Friedhöfen. Dabei wird die leuchtende Farbigkeit abgelöst durch das subtile Spektrum der Farben Schwarz und Weiß.

Die Arbeit mit Holzplastiken wird ergänzt durch Bilder und Papierarbeiten, z.B. bei der großen Werkgruppe „Narben – Wunden – Brüche“. Erste Installationen entstehen, z.B. die Rauminstallation mit Holzstelen und Pergamentarbeiten „Hommage an Effi Briest“.

Das Thema „Serie“ in Kombination mit dem Erproben unterschiedlichster Materialien und mit dem Thema „Farbe“ bleibt über längere Zeit Zentrum der künstlerischen Arbeit.

Ab 1999

Die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten erweitern sich. Es entstehen immer wieder Rauminstallationen zu verschiedenen Themen und in verschiedenen Gruppen-zusammenhängen, z.B. „Wasser“, „Pelle“, „Himmlische Rezepturen“, „Erinnerungsarbeit“.

Ab 2000

Entdeckung der ovalen Form als „Urform“, als lineares Gebilde oder flächig gehaltene Form. Neue Materialien wie Synthetikwatte, Noppenfolien etc. werden für die Umsetzung des Ovals verwendet, dabei wird statt der Farbgebung mit aufgetragenen Pigmenten mit der Farbigkeit der jeweiligen Materialien gearbeitet. Es entstehen hunderter kleiner Bilder, die immer wieder anders zu verschiedenen Serien und Sequenzen zusammengefügt werden können.

Ab 2004

Die Wiederentdeckung von Fotos, Kleidungsstücken und Alltagsgegenständen aus der Kindheit setzt einen umfassenden Prozess des Erinnerns in Gang. In Zeichnungen, Bildern, Materialcollagen, bearbeiteten Fotografien und Installationen wird der Versuch unternommen, das Spezifische von Erinnerung sinnlich zu erfassen: das Bruchstückhafte, sich dem sichernden Zugriff entziehende, das zu Erzählungen Geronnene, sich permanent Verändernde. Dabei wird die Arbeitsweise zunehmend wieder gegenständlicher. Die in diesen Arbeiten angewandten bildnerischen Mittel zeigen, dass Kunst und Erinnerung nichts Authentisches sind, dass sie Konstruktionen sind, dass gleichwohl beide von wahrhaftigen, vitalen existentiellen Impulsen angetrieben werden und diese auch erkennbar machen können.

2005 – 2007

In Weiterentwicklung des Themas „Kindheit“ entsteht ein umfassender Werkkomplex, der den ersten vier Lebensjahren eines kleinen Jungen, Arthur, gewidmet ist. Mehrere Fotoserien dokumentieren facettenreich Ausschnitte aus der Lebenswelt dieses Kindes. Sie werden Ausgangsmaterial für über fünfzig z.T. großformatige Bilder, Zeichnungen, Collagen, Drucke und Fotoübermalungen. Dabei geht es nicht primär um dieses individuelle Kind, es sind keine biographischen Bilder. Es geht vielmehr darum, experimentell und zugleich der Tradition bewusst den Reichtum künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten, den dieses Thema bietet, auszuloten und in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

2008/2009

Während bisher die Fotografie hauptsächlich Grundlage für die bildnerische Auseinandersetzung, d.h. lediglich Funktion war, keinen eigenständigen Wert hatte, nimmt sie erstmals mit einer Reihe von Werken einen autonomen Platz im künstlerischen Schaffen ein. Wiederholte Reisen nach Korfu erlauben es, mit den Mitteln des Fotoobjektivs Ausschnitte aus der Wirklichkeit dieser griechischen Insel mit dem Blick der Malerin festzuhalten. Diese Bilder verstehen sich nicht als dokumentarisch, auch wenn die Bildmotive konkrete Dinge beinhalten. Farbe, Form und Komposition, d.h. die Wahl des Ausschnitts, der Verzicht auf die Logik der Perspektive oder Bildschärfe, das Herausnehmen des Motivs aus dem Alltagskontext verleihen den Bildern eine unmittelbare Präsenz und die starke, direkte Ausdruckskraft eines gemalten Bildes.

Zur Zeit werden die Erfahrungen mit dieser Art der Fotografie ausgewertet für neue malerische Projekte. In ihnen werden wiederum Motive aus dem alltäglichen Erleben benutzt. Diese werden durch Bildformat, Komposition, Farbe und Form ihrer Banalität enthoben. Sie sind nicht räumlich fixiert, nicht dokumentarisch, sie erzählen keine Geschichte, sondern zielen auf die unmittelbare sinnliche Konfrontation mit dem Betrachter.

Kunst von Brigitte Fuhrmann-Mau

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply