Kerstin von Klein – Verzeihung – Bronze

Die Bildhauerin Kerstin von Klein wendet sich in ihrer Formensprache den scheinbar einfachen Dingen des Lebens zu. Egal ob man sich bei der Erreichung eines Ziels gerne selbst im Weg steht oder weil man bei einem Beziehungssachverhalt vielleicht mehr wissen möchte als es einen angeht.

Die Kleinbronze „Verzeihung“ ist inspiriert von ebensolch einem scheinbar einfachen Thema. Die Figur kniet im Einbeinstand auf dem linken Knie und hat den rechten Fuss aufgestellt. Die Hände sind geöffnet und die Handflächen weisen nach oben.
Verzeihung

Kerstin von Klein, Verzeihung, 19 x 11 x 12cm, Bronze

Foto: Eventfotografie Düsseldorf

Die Figur erwartet in der niedrigen Haltung eine Gabe die von einem höheren Punkt, es reicht z.B. eine aufrecht stehende Person etwas, dass sie in die Hände nehmen soll. Im Mittelalter war die Haltung z.B. bei den Schwertleihen der Ritter üblich oder bei Unterwerfungsgesten gegenüber einem gesellschaftlich höher stehenden Menschen. Etwas muss von außen auf die Figur kommen oder ihr gegeben werden. Auch ein Heiratsantrag könnte in dieser Haltung formuliert werden.

Jedenfalls will die Bronzefigur etwas und nimmt daher eine Haltung ein, die die übliche Augenhöhe verlässt. Sie macht sich klein und auch verletzlich, da die Haltung eher unstabil ist. Ein kräftiger Schubs auf die rechte Schulter könnte die Figur scheinbar umwerfen.

Die Plastik selbst ist von der Künstlerin typisch modelliert und zeigt Proportionen die tierischen, pflanzlichen und menschlichen Ursprungs sind und daher als Symbol und nicht als figürliche Bebilderung taugen.

Mit der Titelwahl „Verzeihung“ wählt Kerstin von Klein eine scheinbar einfache Thematik. Alleine die Haltung der Bronzefigur zeigt aber, dass eine Demutshaltung eingenommen wird, die mehr „Einsatz“ erfordert. Und daher ist der Weg zur thematischen Bedeutung schon etwas komplizierter und zeigt, dass Verzeihung zu erlangen, für vorangegangenes Verhalten, das denjenigen der Verzeihen soll verletzt hat, schwierig ist.

Um Verzeihung zu bitten und Verzeihen zu können ist eine der schwierigsten Übungen des Menschen in seiner Umgebung und setzt Selbsterkenntnis (einen Fehler gemacht zu haben), Erkenntnis in die Verletztheit des Anderen und den Wunsch die Situation zu lösen voraus.

Daher ist das scheinbar Einfache in der Figur von Kerstin von Klein hochkomplex und zeigt durch die Klarheit der Figur aber auch, dass es gelingen kann. Fein und klar und doch unaufgeregt konsequent spielt die „Verzeihung“ mit einem der wichtigen Themen der Menschheit.

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