Blumenstillleben von Lars Reiffers – Sinn und Sinnlichkeit

Etwa seit dem 15. Jahrhundert rückt das Motiv der Vase mit Blumen in das Interesse der Maler. Einen Höhepunkt dieses ersten Stillleben-Hypes stellen die Gemälde des Jan Brueghels d.Ä.(1568-1625), des ‚Blumen-Brueghels‘ dar. Der Erzbischof von Mailand, Frederico Borromeo, war ein früher Förderer und Auftraggeber von Jan Brueghel. An den Blumenstillleben des flämischen Malers schätzte er vor allem die ästhetische Präsenz der Blüten losgelöst von ihrer natürlichen Vergänglichkeit und Bindung an die natürliche Jahreszeit. Nach 1600 wird das Blumenmotiv zum Hauptthema der Stilllebenmalerei.

Im 17ten Jahrhundert verändern die religiösen Konflikte der Folgezeit und den Verschiebungen der Auftraggeber vom katholischen Klerus zum calvinistischen Bürgertum z. B. in den Niederlanden, die 1648 ihre offizielle Loslösung von Spanien im Westfälischen Frieden erreichen konnten, eine Veränderungen in der Kunst.

Lars Reiffers – For You – 100 x 150 cm – Öl auf Leinwand

In den Niederlanden wurde das kleinformatige Blumenstillleben zum Prestigeobjekt in jedem Bürgerhaushalt, während die Kirche und der Klerus dort als Auftraggeber wegfielen. In den mehrheitlich katholischen Territorien blühte die Gegenreformation, die durch grandiose Kunstwerke ihrem „richtigen Glauben“ zusätzlich Strahlkraft durch Kunst verleihen wollte.

Die Themen des Schönen in der Welt, das sich durch seine Sterblichkeit und Endlichkeit auszeichnet wurde mit aufwändigen, naturalistischen Blumenstudien, die überirdisch schön sind gefeiert und zugleich deutlich gemacht. Der Totenschädel als Vanitassymbol in einem solchen Stillleben war auch gängig, aber genau wie heute, eher etwas für sehr robuste Nerven.

Der „normale“ Kunstgeniesser freute sich über die Meisterschaft des Künstlers, der in seinem Bild für den Auftraggeber oder Käufer, zwar alle Blumen nach ihrer Bedeutung als Blumen des Frühlings, als Symbol der Reinheit oder auch als Todessymbol arrangieren konnte und kannte die Bedeutung, aber Freude und Dekoration waren ebenfalls präsent.

Diese tiefe Verbundenheit mit dem Thema hat für junge zeitgenössische Künstler wie Lars Reiffers auch eine ikonografische Komponente, aber auch die Sichtweise des Ehrens der Schöpfung, die damals weniger im Vordergrund stand. Die Natur, die überbordende, überschwengliche Schönheit schafft und die sich ungeheuer anstrengt für den Moment wird jäh durch das Ende und durch die Schnelligkeit der Zeit vernichtet. Aber nicht so durchgreifend, wie Umweltzerstörung es heute möglich macht, sondern Vergehen als Ruhephase vor dem erneuten Blühen und sich Verschwenden für das hier und jetzt.

Große Kunst und mit soviel Lebensweisheit ausgestattet, dass das Stillleben für junge Künstler wieder zum Thema werden kann. Einer der Meister seines Faches ist der Kölner Künstler Lars Reiffers.

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