Franz Ulrich Göttlicher Immortal

In Zeiten von Unsicherheit und Veränderung scheinen Helden wieder Konjunktur zu haben. Edel, aufrecht und gut und dann noch zum Niederknien schön. So wurde in den 60er Jahren die Filmfigur des Indianerhäuptlings Winnetou vom französischen Schauspieler Pierre Brice verkörpert.
Das edle junge „Chefgesicht“ wünschen sich heute viele Menschen zurück, um eine Richtschnur oder ein Vorbild zu haben und das eigene Handeln an ein unerreichbares Ziel auszurichten.
Das sich der Künstler Franz Ulrich Göttlicher mit seiner Interpretation des ewig guten Indianerhäuptlings noch einen weiteren kunsthistorisch interessanten Griff geleistet hat, macht seine Arbeit „Immortal“ so interessant und anrührend.

Bild: Franz Ulrich Göttlicher, immortal, 110 x 130 cm, 2016

Hier wird der Indianerhäuptling auf dem Pferd, eine der Bildikonen in der Winnetou-Rezeption der 60er Jahre zu einem Typus, der schon religiöse Züge hat. In der Christusikonografie findet man den segnenden Christus, der auf die Gläubigen aus der Apsischalotte der romanischen Kirchen herab seinen Segen spendet.

Die gemalte Figur ist leicht unscharf wiedergegeben. „Verwackelt“ sozusagen, natürlich, weil die Figur lebendig auf dem lebendigen und bewegten Pferd thront. Aber eigentlich in der Bewegung des auferstandenen Christus, der die Himmelfahrt samt Pferd antritt.

Diese künstlerische Überlagerung lässt den Filmhelden, mit dem Gottessohn verschmelzen und auch hier ist der „Sohn“ doppelt gemeint. Göttlicher hat seine Kunstgeschichte und die Ikonografie klug und zeitgemäß eingesetzt, so dass mit dem „unsterblichen“ Winnetou eben nicht der christlich-religiöse Inhalt ausschließlich gemeint ist, aber durch die kunsthistorischen Zitate wird das Bild mehr als eine malerisch tolle Interpretation des Winnetou.
Lebensnäher, aber „lesbar“ für den im Kontext des christlichen Abendlandes sozialisierten Menschen.

Das Bild ist eines der Prinzpalstücke der noch laufenden Ausstellung Franz Ulrich Göttlicher „Auch BAD BOYS haben Haustiere“ die aktuell in der Galerie Hoffmann noch bis zum 31.7. zu sehen ist. Öffnungszeiten: Dienstags bis Freitags von 11 bis 17 Uhr und Samstags von 10 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung

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