Franz Ulrich Göttlicher – returning home

Wohl wenige Bilder der Flüchtlingskrise haben die Menschen so berührt, wie der kleine ertrunkene syrische Flüchtlingsjunge am Strand.

Das Thema der Flüchtlinge, die im Meer ertrinken, ist eines der großen Themen der documenta 14, die jetzt in Kassel eröffnet wird. Die großen Installationen in der documenta Halle, die Bootsteile zeigen, die zu Musikinstrumenten umgebaut wurden oder die blau gefärbten Leichenhemden und Tücher ebendort unter der Decke.

Das Schicksal rührt an. Menschen, die auf dem Weg in eine erhoffte bessere Zukunft ertrinken. Diese Schicksale, die in dem toten syrischen Kind am Strand als Bild zusammen liefen, haben auch den Künstler Franz Ulrich Göttlicher nicht losgelassen. Göttlicher, der in seiner Kunst seit langem dem Stereotyp „Mann“ nachforscht, den Verletzungen und der Ohnmacht der Männer die Traumata im 2. Weltkrieges erlitten haben und diese dann an die nachfolgenden Generationen weitergegeben haben.

Auch diese Menschheitskrise zeigt viel von männlichen Machtspielen, in denen menschliche Empathie einer Skrupellosigkeit um Ressourcen und Macht gewichen ist. Die die am Boden „kämpfen“ sind nicht die, die entscheiden und Krisen entstehen lassen. Aber diese Brutalität mit denen hier agiert wird macht etwas mit den Akteuren und verändert sie.

Das auch die Verursacher Menschen sind, behält Göttlicher im Blick. Er will Würde, Frieden und Heilung dieser gerissenen Wunden möglich machen. Und dort wo Leben beendet ist, will er die Würde trotzdem beibehalten. Ihm war es wichtig, den kleinen Jungen wieder aufzurichten, ihm seine menschliche Form nicht zu nehmen sondern zu zeigen, dass er mehr ist und war als ein Leichnam am Strand.

Göttlicher nimmt die Haltung als Ausgangspunkt, richtet den Jungen auf und lässt ihn schweben in ein friedvolles, lichtes Oben. Der Junge schaut, fast lebensgroß in einen Sonnenaufgang an einem friedlichen und freundlichen Horizont. Licht und das rote Shirt, so traurig die Szene ist, sie vermittelt Hoffnung. Das Gemälde ist angelehnt an eine tiefe christliche Hoffnung auf die Wiederauferstehung. Das Leben so jung und kurz ist nicht umsonst gewesen, es erfährt eine göttliche Segnung. Das Motiv ist ein ikonografisches Zitat der alten Meister der berühmten Altäre des Mittelalters. Eine wirkliche Himmelfahrt, anders als die totbringende Seefahrt. Dazu kommt der Titel „returning home“. Hiermit nimmt Göttlicher alle Ebenen auf. Zurück nach Hause, dort wo Leid und Not aufhören. Zu Hause in der Familie mit den Eltern und Geschwistern, aber auch die Reise des Lebens mit dem unausweichlichen Tod und der Hoffnung auf einen Sinn, auf eine Erlösung. Ein berührendes Bild mit viel Hoffnung und Empathie für das Motiv. Keine Lösung für ein Problem, sondern Beschreibung der tief empfundenen Trauer und Menschlichkeit, die angesichts eines solchen Schicksals keinen kalt lassen kann.

Bild: Franz Ulrich Göttlicher returning home, Öl auf Leinwand, 150 x 90 cm, 2017

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