Ilka Meschke – Akt mit Kind

Das Thema Mutter und Kind, vorallem in der christlichen Symbolik als Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind, ist vielleicht die am häufigsten dargestellte Personenkonstellation der Welt.

Die Gottesmutter anbetungswürdig, fast engelsgleich, perfekt als Mutter und Göttin, jung und schön, nicht von dieser Welt und ohne Sünde ist für die Renaissance vielleicht das Ideal von Schönheit und vor allem Reihnheit. Etwas, das normale Menschen egal in welchem Zeitalter nie erreichen konnten und können.

Die perfekte Mutter, die die Verbindung zum Göttlichen aufrechterhalten konnte, und die die Figur der Eva die Erbschuld durch die Verführung Adams und der Vertreibung aus dem Paradies begründete, für alle Frauen quasi wieder rehabilitierte. Schade nur, dass für die protestantischen Christen die Maria von ihrem Stellenwert wieder entwertet wurde.

Ilka Meschke Akt mit Kind

 

Ilka Meschke – Akt mit Kind – 1,15 x 1,15 – Eitempera – 2014

Somit blieb bis heute und viele andere Religionen sind sich da einig, die Frau immer nur ein Mensch zweiter Klasse, obwohl ohne Mutter eben keine Menschheit mehr möglich wäre. Aber das ist ein anderes Thema,…

Ilka Meschke hat sich dem Typus der Maria mit Kind, der thronenden Madonna aus einer sehr zeitgemässen und modernen Fragestellung genähert.

Die thronende Gottesmutter erhaben und frontal dem Betrachter zugewandt, das Kind auf dem Schoss, findet sich in einem Wirbel der sie umgebenden Linien, wie Umlaufbahnen markiert wieder. Dahinter verschwindet sie zum Teil und die Erhabenheit ihrer Figur wird wieder gebrochen. Ist sie dabei in Vergessenheit zu geraten, sind die Wirbel und „Umlaufbahnen“ vielleicht auch die Ansprüche an die moderne Frau, die auch Mutter ist, perfekt, im privaten wie im Beruf, die beste Mutter der Welt, erfolgreich auch hier, Styling als begehrenswerte Frau, zu Kindern, aber die beschützende Matrone, oder die Henne die ihr Küken überbeschützt und es so entrückt und unfrei werden lässt?

Die Ansätze sind vielfältig und hoch brisant, kommt doch das enge Geflecht von Mutter und Kind, plastisch-sichtbar zu Tage. Und damit nicht genug, die Arbeit Meschkes, die sich bereits in den letzten Arbeiten mit dem Körper beiderlei Geschlechts, seinen Körperwelten und Tatooschmuck auseinander gesetzt hat, nimmt hier auch ganz subtil diese stilistischen Mittel auf.

Auf der Maria steht wie ein geschwungenes Tatoo auf dem oberen Brustbereich, kaum lesbar durch die Linie verwischt „devil“. Einen größeren Kontrast, ein Brechen der Darstellungstradition subtil und wenig aufdringlich, umso tiefer zu gehen. Mutter als Engel und als Teufel, den eigenen Nachwuchs gebären ihn aber auch bestimmen, vielleicht verletzten oder beschädigen. Verehrungswürdig und menschlich, fehlbar in der engelsgleichen, intensivsten Beziehung die das Menschsein kennt. Der Mutter-Kind-Liebe.

Und so aktuell wie nie, sind doch die spirituellen Beziehungen oft mit Verletzungen und Unzulänglichkeiten ausgestattet, die auch bis ins Erwachsensein reichen. Das Thema Mutter und Tochter ist mindestens genauso alt wie das der Menschheit schlechthin. Auch Sohn und Mutter ist nicht immer spannungsfrei und kann bis ins hohe Alter Abhängigkeiten manifestieren.

Daher ist Ilka Meschkes Bild „Akt mit Kind“ ein mutiges Stück Kunst, für mutige Kunstfreunde, die mit Engels-und Teufelsenergie wissen umzugehen.

Das Bild ist in der Galerie Hoffmann Contemporary Art, Lange Str. 50, 33378 Rheda-Wiedenbrück zu sehen.

 

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