Ilka Meschke – Schöne Aussicht

In der neuen Werkgruppe von Ilka Meschke ist die Arbeit „Schöne Aussicht“, Öl auf Nessel, 150 x 105 cm, 2018 zu sehen. Es handelt sich um ein Landschaftsbild. Die üppig verwendet Farbe und die gestische Malweise legt eine Sommersituation vielleicht beim Wandern in den Mittelgebirgen nahe. Die etwas erhöhte Position die der Betrachter einnimmt, erlaubt einen erhöhten Blick auf die landwirtschaftlich strukturierte Gegend die sich tiefer gelegen öffnet. Entspannt und scheinbar unspektakulär finden sich Einzelgehöfte. Klar und naturnah gefasst und doch einer pitoresken Sicht eines aus der Zeit gefallenen Örtlichkeit.

Bild: Ilka Meschke, Schöne Aussicht, Öl auf Nessel, 150 x 105 cm, 2018

Nach dem „Augenwandern“ des Betrachters im Bild, bleibt der Blick an der vorderen Bildfläche hängen. Ein Holzschuppen oder eine Holzscheune verstellt den Blick auf die Landschaft und dort findet sich, offensichtlich in der Landschaft ein rot gepolstertes Sofa. Hinter dem Gebäude, vielleicht ein ausrangiertes Möbel des Hofes oder an einem Weg am Hof entlang ein wild entsorgtes Möbel als Müllkippe oder Landschaftsfrevel.

Es stört die Betrachteridylle und zerstört die Bilderbuchlandschaft und irritiert den Betrachter. Je nach Standpunkt kann das rote Sofa, gezielt von der Künstlerin eingesetzt nicht übersehen werden. Der Ärger oder die Irritiation wird durch die Aufschrift „Fuck“ auf der Rückenlehne noch gesteigert.
Dadurch kommt das Bild einer weiteren gefühlten Erweiterung nahe. Ist der bevorzugte Platz des Wanderers doch nur eine Müllkippe und bedroht durch Umweltfrevel und Gedankenlosigkeit? Oder ist der bevorzugte Platz auch eine Sackgasse für den Platznehmenden. Ein Symbol des „goldenen Käfiges“ in andere, zivilisierte, konsumgesteuerter Umgebung?

Ilka Meschkes Bilder haben diese doppelbödige Qualität, neben ihrer malerischen Lust und der Freude der Gestaltung und der Erzählmotive denen sich die Künstlerin zuwendet. In ihrer einmaligen Handschrift gehören auch die Geschichten hintern dem Offensichtlichen dazu.

Das Bild ist im Original noch bis zum 29. April 2018 in der Burg Lüdinghausen in der Ausstellung „ins Blaue“ zu sehen.

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