Ilka Meschke – Venus – die Freuden der Badesaison

Sonnenschein, eine leichte Brise und Zeit, ganz viel Zeit. Soviel Zeit, dass eine Frau fast wie selbstvergessen ihre Strümpfe auszieht oder anzieht, so richtig können wir als Betrachter des Bildes „Venus“ von Ilka Meschke die Geste nicht deuten.

Nur soviel ist sicher. Die Dame, die sich nicht beobachtet fühlt, ist mit ihrem Strumpf beschäftigt und sonst trägt sie nichts auf der Haut. Ein lebensgroßer Frauenakt ist das Bild also, das mit seinem Motiv, der sich gelassen bewegenden Badenden in einer uralten Darstellungstradition steht.

Vielleicht entstammt sie dem Bildprogramm einer Bathseba im Bade, bevor die Greise auftauchen, gehört zu den barocken Gärtnerinnen, die anstatt bei Hofe zu repräsentieren, das scheinbar lockere Landleben geniessen oder gehört zu den Kokotten des 19. Jahrhunderts, denen Henri Toulouse-Lautrec ein Denkmal gesetzt hat.

Wer auch immer als kunsthistorisches Vorbild für Ilka Meschkes Bild „Venus“ herangezogen wird, es steht die Nackte in sich ruhenden, selbstvergessene Frau in den besten Jahren mit wohlgeformten Proportionen im Mittelpunkt. Ilka Meschkes Kunst ist hier sehr heiter und lebensfroh und doch auch in einer malerischen Kontrastierung die optisch sehr reizvoll ist.

Das Bild am unteren Ende zeigt eine perspektivisch präzise gemalte Bodenfliesenfläche, die in den Vordergrund strebend, abgebrochen und frei schwebend erscheint. Darauf liegen zu Füßen der Frau Kokons, als Kissen oder als Symbol der Privatsphäre, die keine Öffentlichkeit erlaubt und daher mit dem Bild der Frau in einen Gegensatz kommt.

Der Körper majestätisch, ruhend, weich und sanft steht im Vordergrund. Aber sowohl hier als in dem aufsteigenden umgebenden unentschlüsselbaren Hintergrund, werden malerisch-abstrakte Flächen, die auch im Kontrast zur Figur und noch mehr zum Boden stehen sichtbar.

Das in Schichten auf und abgetragene himmelblau umfängt die Szene und ist doch farbig und unwirklich zugleich. Ob die Situation friedlich bleibt, ob die Ruhe auf den Betrachter überspringt, oder ob man sich gleich selber in die Badefluten stürzen wird, alles ist richtig und erlaubt, ein herrlich sommerlich-offenes Bild mit hohem Bezauberungsfaktor.

Noch bis zum 14. August 2011 in der Ausstellung „Ilka Meschke – Bilder zur Zeit“ in der Galerie Hoffmann, Lange Str. 50, 33378 Rheda-Wiedenbrück, Di-Sa 14.30 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung zu sehen.

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