Jagdbilder von Lars Reiffers – Kunst und Jagd ein uraltes Thema

Sammeln und Jagen gehört zu den Grundlagen der menschlichen Entwicklung überhaupt. Auch wenn die Kulturstufe allgemein als „primitv“ und „kulturlos“ eingeschätzt wird und mit dem Sesshaftwerden überhaupt erst flächendeckend Kultur entstehen konnte, sind diese Themen immer im Gepäck des Menschen geblieben.

Erst lebensnotwendige Verrichtung mit hohem Gefahrenpotential, wird daraus im Laufe der Jahrtausende eine (Freizeit-)Beschäfigung, die qua Macht und Gesetz nur noch Wenigen vorbehalten war. Auch die Neuzeit kennt noch die vielen Privilegien, die aus Besitz, Netzwerk, Geschlecht und Geld gesponnen sind. Ist Golf noch etwas für viele, ist die Jagd und die dazugehörige Eigenjagd oder die Jagdeinladung bis heute ein Privileg weniger. Sicher dadurch und weil es eine der wenige Momente darstellt, in denen ein Mensch mit einer Waffe in der Hand einem Tier nachstellt oder auflauert und Leben und Tod ganz dicht beieinander sind.

Und natürlich auch die hohe Ästhetik selbst der toten Tiere, sei es ein kapitaler Hirsch oder ein Auerhahn oder ein Fuchs. Die Farbigkeit, die Würde und das Wissen, dass Verantwortung für den Tod und das Nutznießen können der Materialien Ruhm und Ehre in den Augen anderer erhöht.  Die holländischen Meister des goldenen Zeitalters entwickelten in ihren Bildern die hohe Stilllebenkunst nicht nur mit Blumen und schönen und kostbaren Dingen, auch die Jagdausbeuten waren Thema. Die hohe Jagd, die nur dem Adel vorbehalten war und die niedere Jagd für die niederen Stände. Sind die Küchenstillleben oder Jagdstillleben im Freien inszeniert auch manchmal in einer Üppigkeit und Fülle, die den Vanitasgedanken fast schon arg strapaziert, sind doch immer die Kunst der Komposition und die naturnahe Darstellung der erlebten Tierkörper von großer Wichtigkeit. (Auch darf die Erotik neben der Vergänglichkeit nicht fehlen).

Auch hier gilt eigentlich ist alles schon gemalt worden. Was also treibt einen jungen Künstler wie Lars Reiffers (Jg. 78) dazu, eben diese Themen zu wählen? Und wie baut er seine Arbeiten auf?

Einmal ist die starke Vergrößerung und die Reduzierung auf zwei Motive bezeichnend. Reiffers schafft so, die Fülle seiner Malerei aufzufächern, aber nicht in einer Vielzahl von Dingen wie früher, sondern durch die Konzentration z.B. auf einen Ausschnitt einer Jagdwaffe und eines Federstückes. Beide sind nur in Anschnitten zu erkennen und durch die „mikroskopische“ Vergrößerung die er wählt, wird die Brillianz der Details groß herausgestellt und seine technische Perfektion diese zu malen ebenfalls und der „Film“ des Jagens wird im Kopf des Betrachters angeknipst.

Die Wissenden wissen um die vielen Handgriffe bis zu dem Stillleben, das Lars Reiffers aufgebaut hat und der reine Betrachter versucht sich unwillkürlich in der Entschlüsselung der (unwichtigen) Details wie Waffenart oder Tiergruppe.

Der Aufbau der Bilder von Lars Reiffers erlaubt trotz der bekannten Motive immer wieder ein Innehalten und Erstaunen. Licht, Größe und malerische Präzision werden durch die Beherrschung der Symmetrien und Proportionen und des goldenen Schnitts oder genau aus dem Brechen dieser „wohlgefälligen “ Aufteilungen in Bewegung gehalten. Hohe Meisterschaft in der Beherrschung der alten Themen.

Die Galerie Hoffmann, wird eine Auswahl von Jagdbildern von Lars Reiffers auf den gräflichen Jagdtagen 2011 vom 08. bis zum 09.10.2011 im gräflichen Park der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff in den Brunnenarkaden des gräflichen Spa präsentieren.

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