Prinzenbad von Sandra Lange

In der aktuellen Ausstellung „Betreten der Grünfläche auf eigene Gefahr“ – Malerei von Sandra Lange und Anna Fiegen sind die formalen und geometrischen Elemente in allen Arbeiten vorhanden. Bei einzelnen Motiven spielen die jeweiligen Künstlerinnen aber besonders mit dem Erfahrungsschatz des Betrachters.

In diesem Zusammenhang fällt die Arbeit „Prinzenbad“ von Sandra Lange meist den Betrachtern auf, die eine hohe Affinität zu Wasser haben. Und diese Affinität hat noch einen weiteren Bezugspunkt. Wasser und Sport, genauer Wassersport. Wer einmal entlang von Leinen einen Wettkampf in einem Bad geschwommen hat, der kennt die schwimmenden, farbig markierten Leinen, die die einzelnen Bahnen voneinander trennen. Üblicher Weise wird bei einem Wettkampf von einer Startposition aus das Rennen gestartet und die Leinen liegen rechts und links vom Schwimmer.
Im Prinzenbad, ein Name der in Berlin für ein Freibad an der Prinzenstraße tatsächlich geprägt wurde, werden diese Erfahrungen im Wettkampfsport ebenso erlebt.
Das Gemälde Prinzenbad das Sandra Lange in Acryl_Öl auf Cotton, im Format 60x70cm ausgeführt hat, ist aber genau diese Wirklichkeitserfahrung nur eine Chiffre, die sich dann malerisch völlig anders entwickelt.

Prinzenbad 2013, Acryl_Öl auf Cotton, 60x70cm w

Die zentrale Leine ist genau auf den Standpunkt des Betrachters ausgerichtet. Man sieht geradeaus die rote Linie entlang. Ein völlig inkorrekter „Startpunkt“, der aber genau in die scheinbare Tiefe des Raumes weist. Die Illusion eines Wettkampfbades wird durch die weiteren parallel geführten Linien vertieft.

Das gesamte Bild wird durch Grün-Blautöne mehr zu einer Anmutung eines Badesees oder eines natürlichen Gewässers als zu einer gekachelten „künstlichen Badestelle“. Am Ende der imaginären Schwimmbahn wird ein malerisch-gestischer Schwung im Bild sichtbar, der einer Wasserwelle nicht unähnlich den gesamten Hintergrund gestaltet. Hintergrund, Dach, Luftzirkulation – nichts ist so wie gedacht. So ist die Idee des Bades und die Idee des Naturgewässers zusammengebunden und entwickelt eine eigentümliche Dynamik. Die scheinbaren Erfahrungen und Erwartungen der Betrachter werden aufgenommen und gebrochen hin zu einem freien Gefühl von Naturwasser und kühler Farbigkeit. Die Linien wirken wie Fremdkörper, die sich in der Natur des Wassers nur schwer anzupassen vermögen. Gehalten durch Knotenpunkte schwimmen sie farb- und artfremd auf dem imaginären Wasser. Formen von Blattwerk, Eiskristalle und Molekühlstrukturen sind beim genauen Hinsehen vorhanden. Der Titel löst sich an dieser Stelle von dem realen Prinzenbad und wird zu einer märchenhaften, geschützen Waldbadestelle vielleicht eines Prinzen und seines Hofstaates.

Sandra Lange zeigt noch weitere 20 Arbeiten gemeinsam mit Anna Fiegen in der Ausstellung „Betreten der Grünfläche auf eigene Gefahr“ in der Galerie bis zum 3. September 2016 in der Galerie Hoffmann Contemporary Art. Öffnungszeiten: Di-Fr 11 – 17 Uhr und Sa 10-14 Uhr und nach Vereinbarung.

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