Salome in der Kunst – zwei zeitgenössische Interpretationen

Salome – auch wenn die biblische Erzählung (Mt 14,1-12 EU und Mk 6,14-29 EU) mit der schönen Tänzerin Salome, der Tochter des Herodias (), die den Kopf des Johannes des Täufers verlangt und bekommt, sich aus unterschiedlichen Quellen speist, ist sie eine Legende. Allerdings ist das Bild der Salome als Vamp, Kindfrau als grausame Schöne durch das 19. Jahrhundert bis heute bestimmt.

Die französischen Literaten wie Gustave Flaubert und Stephane Mallarme und die Künstler Kokoschka, Corinth, Klinger, von Stuck und weitere machten aus ihr die mörderische Schöne, die den Männern das Verderben aus reiner Boshaftigkeit und Spiellaune heraus bringt.

Sala Lieber nimmt in ihrem Bild Salome die nackte schöne Tänzerin mit den roten Haaren zum Motiv. Perfekter Körper und Habitus, der sich im Luxus von edlen Tüchern dem abgeschlagenen Haupt des Johannes mit spitzen Fingern nähert und sogar vor einer Berührung des Hauptes, das mit wirren ebenfalls roten Haaren in einer hellblauen Schale liegt und sie durch das Öffnen eines Augenlides scheinbar anzusehen scheint, nicht zurückschreckt.

Sala Lieber Salome

Sala Lieber: Kleine Salomé, 2012, Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm

Eine sich verdunkelnde Hintergrundszenerie in der ebenfalls Blautöne zu sehen sind öffnet den Raum bevor er sich nach links wieder durch Tücher in einer Farbkaskade zu verschließen scheint.

Zwei Fasan-Hähne scheinen vor den Tüchern herab zu stürzen und sich mit ihren Köpfen dem abgeschlagenen Haupt zu nähern. Ob sie ebenfalls tot und als tierische Variante der mordlüsternen Salome zum Opfer gefallen sind, oder als weitere ironische und verachtende Note dem Täufer gegenüber zu deuten sind, bleibt offen. Ihre Position ist eine Analogie zu den Jagdstillleben des 17. Jahrhundert, die so das erlegte Wild präsentierten und daher ebenfalls tot sein müssten.

Die wunderschöne Kindfrau, die Verderben über die Männer bringt, eingepasst in Luxus und Reichtum reflektiert die Salome-Rezeption in klassischer und perfekter Manier, um als zeitgenössische Kunst noch mehr als nur die Illustration der bekannten Geschichte zu bieten.

Ilka Meschkes Salome geht aus der opulenten Illustration der Szene heraus. Das Hauptmotiv des Bildes ist eine überlebensgroße weibliche Hand, die dem Zeitgeist entsprechend mit einem großen Tatoo als Körperschmuck ausgestattet ist. Die Nackheit, die noch durch einen künstlichen Eingriff gesteigert wird, lässt den Körper der schönen nackten Tänzerin als Analogie erahnen.

Ilka Meschke Salome

 Ilka Meschke: Salome, 110  x 110 cm, 2013, Eitempera auf Leinwand

Ihre Finger sind geschmückt mit einem kostbaren großen Edelsteinring und einem silberfarbenen Totenkopfring. Beide lassen den Schluss von Kostbarkeit, die tödlich sein kann, aufkommen. Zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt der Betrachter nach dem Erkennen der Hand und seiner Dekoration langsam ein menschliches blaues Auge wahr. Von dem Auge ausgehend erkennt man, dass die beherrschende Hand auf einem Kopf aufliegt, der den unteren Teil des Bildes ausfüllt und daher die gleichen Proportionen wie die Hand einnimmt. Der Daumen der Hand liegt auf dem Nasenrücken und die restlichen Finger auf dem seitlichen Kopf eines Mannes. Das Blau des Auges korrespondiert mit dem blau des Schmucksteins des Ringes auf der Hand.

Der Blick wirkt starr und könnte als Hinweis auf den toten Kopf des Täufers aus der biblischen Geschichte verstanden werden. Da kein Blut zu sehen ist und auch das Haupt nicht in einer Schale liegt, sondern die ganze untere Bildhälfte einnimmt, ohne dass es ganz zu sehen ist, könnte es sich auch um eine Geste einer dominanten Person gegenüber einer devoten untergeordneten Person handeln. Ilka Meschke löst sich daher von der historischen Vorlage und lässt das Binnenverhältnis nur durch die Positionierung der Hand auf dem Kopf vielsagend offen. Der Titel verrät die historische Anlehnung, die künstlerische Umsetzung ist freier und zeitgenössischer, da sie ebenfalls Beziehungsmuster oder zeitgenössische (sexuelle )Vorlieben beschreiben kann. Sie zeigt weniger und löst sich vom historischen Stoff.

Beiden Bildern ist gemeinsam, dass die Frauenfigur als Teil oder als Ganzes die beherrschende Gestalt des Bildes ist und viel Haut und Haar meisterlich in beiden der klassischen und überraschenden umgesetzt wurde. Salome von Sala Lieber und Ilka Meschke ein Thema in meisterlicher und perfekter Umsetzung und komplett verschieden.

Beide Arbeiten sind in der Galerie Hoffmann Contemporary Art, Lange Str. 50, 33378 Rheda-Wiedenbrück, Dienstags bis Samstags von 14.30 bis 18.00 Uhr und nach Vereinbarung. Ab dem 31.03.2014 wird Sala Lieber in einer Einzelausstellung zu sehen sein.

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